
Spitzen-Liberaler will Weg für “neue Dynamik” freimachen
BERLIN, 14. Dezember (AFP) – FDP-Generalsekretär Christian Lindner hat mit seinen Rücktritt nach eigenen Worten die Konsequenz aus der Krise der Liberalen gezogen. “Es gibt den Moment, an dem man seinem Platz freimachen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen”, sagte Lindner am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. “Die Ereignisse der letzten Tage und Wochen haben mich in dieser Einschätzung bestärkt”, sagte Lindner, ohne weitere Details zu nennen.
Die Entscheidung des 32-Jährigen erfolgte vor dem Hintergrund des FDP-Mitgliederentscheids über den Euro-Rettungsschirm ESM, an dem sich ein scharfer parteiinterner Streit entzündet hatte. Die Initiatoren des Entscheids hatten massive Kritik an der Organisation durch die Parteispitze geübt. Parteiinterne Kritiker hatten Lindner Organisationspannen und mangelndes Engagement für den Mitgliederentscheid vorgeworfen.
Der Rücktritt erfolge “aus Respekt vor meiner Partei und vor meinem eigenen Engagement für die liberale Sache”, sagte Linder. Sein Bundestagsmandat wolle er behalten. Mit der Aufgabe des Parteiamts wolle er FDP-Chef Philipp Rösler ermöglichen, die Bundestagswahl 2013 “mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten und damit auch mit neuen Impulsen für die FDP zu einem Erfolg zu machen”. Die FDP befinde sich derzeit in einer “schwierigen Zeit”, räumte Linder ein.
Einer der Initiatoren des Mitgliederentscheids reagierte bestürzt auf Lindners Rücktritt. “Ich halte die Entscheidung nicht für richtig”, sagte der Alt-Liberale Burkhard Hirsch im Sender Phoenix. Lindner sei “sicherlich eine der Hoffnungen der Liberalen, und ich wünsche und hoffe, dass er weiter der Partei zur Verfügung steht”. Hirsch zeigte sich überzeugt, dass nicht parteiinterner Druck rund um den Mitgliederentscheid “alleine der Anlass für einen derartig spektakulären Schritt” sei. “Das muss einen anderen Grund haben als die Auseinandersetzung der letzten Tage”, sagte Hirsch.
Die Opposition wertete Lindners Schritt als Zeichen für den Niedergang der Liberalen. “Die FDP steht vor dem Verfall, und der hat einen Namen: Philipp Rösler”, erklärte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. “Statt Lindner wäre es an Rösler gewesen, zurückzutreten.” Rösler sei “der Kopf einer jungen Führungsriege, die gescheitert ist”. Mit Lindner verliere die FDP “nicht nur einen klugen Kopf, sondern auch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit”.
pw/dja
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