Samstag, 4. August 2012

Hör doch auf zu Schreiben! Henryk M. Broder attackiert Ingo Schulze

Hör doch auf zu Schreiben! Henryk M. Broder attackiert Ingo Schulze:
Wer meint, dass es in der Welt nicht gerecht zugeht, soll gefälligst die Klappe halten. Zumal dann, wenn er daran etwas ändern will, von Berufs wegen
Schriftsteller ist und in einem früheren Leben noch dazu DDR-Bürger war. So jedenfalls lässt sich in aller gebotenen Kürze zusammenfassen, was der Schreiber Henryk M. Broder dieser Tage zum gerade erschienen Buch des Romanciers und Essayisten Ingo Schulze von sich gab. Unter dem Titel Unsere schönen neuen Kleider enthält der beanstandete Text die überarbeitete und erweiterte Fassung einer vielbeachteten Rede, die der Schriftsteller am 26. Februar in Dresden gehalten hatte.

[...] Schulze ruft in seinem Buch dazu auf, sich wieder auf die demokratischen Rechte zu besinnen und Mitsprache einzufordern. „Wir müssen über die Geste und die symbolische Handlung hinaus unseren Willen gewaltlos kundtun, und dies – wenn nötig – auch gegen den Widerstand demokratisch gewählter Vertreter“, schreibt er. Broder dagegen gibt vor, die Welt nicht verändern, sondern nur beschreiben zu wollen. Am Ende enthüllt er jedoch unfreiwillig, dass seine vorgeblich politische Abstinenz nicht einem etwa von einem hehren journalistischen Berufsethos herrührt, sondern nichts als eine plumpe rhetorische Finte ist. Während Schulze die Möglichkeit, dass sein Schreibcomputer das im Kongo unter grauenhaften Bedingungen gewonnene Material Tantal enthält, zum Anlass nimmt, um über die Veränderung der dafür verantwortlichen Bedingungen nachzudenken, empfiehlt ihm Broder: „Da hilft dann aber nur eins: Aufhören zu schreiben.“ Das ist nicht unpolitisch, sondern reaktionär. Dass Ruhe die erste Bürgerpflicht sei, war in Deutschland stets die Formel der Antidemokraten.
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