Freitag, 4. Mai 2012

Prozess gegen Attentäter Breivik mit Zeugenanhörungen fortgesetzt

Prozess gegen Attentäter Breivik mit Zeugenanhörungen fortgesetzt:

Utöya-Fährkapitän schildert Moment der ersten Schüsse auf Insel
Oslo, 3. Mai – Der Prozess gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik ist mit der Anhörung von Zeugen zu dem Massaker auf der Insel Utöya fortgesetzt worden. Bei der Sitzung am Donnerstag berichteten Zeugen davon, wie es Breivik in falscher Polizeiuniform gelungen war, auf der Fähre zu der Insel mitzufahren. “Man übt eine gewisse Autorität aus, wenn man in einer Polizeiuniform ankommt”, sagte Simen Braeden Mortensen, der an dem Tag des Massakers die Fährgäste kontrollieren sollte. Breivik habe ihn getäuscht.
Er habe sich von den gefälschten Polizeiausweisen des Attentäters blenden lassen. “Ich habe geglaubt, das ist ein rechtmäßiger Polizeiausweis”, sagte Mortensen über den falschen Ausweis des Inlandsgeheimdienstes um Breiviks Hals. Breivik habe ihm erläutert, er sei nach dem Bombenanschlag von Oslo, dessen Urheber er selber war, zum Schutz des Jugendlagers nach Utöya geschickt worden.
Fährkapitän Jon Olsen schilderte vor Gericht, wie er Breivik geholfen habe, eine schwere Kiste von Bord zu hieven, ohne zu wissen, dass sie voller Munition war. Der Attentäter habe ihm gesagt, in der Kiste seien Instrumente zum Aufspüren von Sprengstoff. Kurz nach der Landung auf Utöya habe er mitansehen müssen, wie Breivik seine ersten beiden Opfer getötet habe. Es handelte sich um den Camp-Wächter und Olsens Lebensgefährtin Monica Boesei.
Er sei sofort panisch geflohen. Er habe sich immer wieder gefragt, “ob ich anders hätte handeln können”, sagte Olsen. Aber er sei immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass “ich so handeln musste”. Auch Olsens Tochter war zu dem Zeitpunkt auf Utöya, sie überlebte. Später brachte der Kapitän mit seinem Motorschiff “MS Thorbjörn” Rettungskräfte auf die Insel. Zu Beginn des Massakers habe er erwartet, dass “der Himmel bald voller Hubschrauber ist”, der Fjord “voller Schiffe und Blaulichter, aber nichts, nichts passierte”.
Der Rechtsextremist Breivik hatte am 22. Juli 2011 zunächst im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet, bevor er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utöya 69 Menschen erschoss.
Seit dem Beginn des Prozesses am 16. April sagten vor allem der Attentäter selbst sowie Opfer des Bombenanschlags in Oslo aus. Der 33-Jährige gestand die Taten, plädierte aber auf nicht schuldig. Seiner Darstellung zufolge waren die blutigen Anschläge “grausam, aber notwendig”, um Norwegen vor einer angeblich drohenden “muslimischen Invasion” zu retten. Zur Zurechnungsfähigkeit Breiviks gibt es zwei gegensätzliche Gutachten. Sollte das Gericht entscheiden, dass er geistig gesund ist, droht ihm die Höchststrafe von 21 Jahren Haft.
jah/ju(AFP)

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