Sonntag, 22. Januar 2012

Weltweiter Wirbel nach Schließung von Speicherdienst Megaupload

Weltweiter Wirbel nach Schließung von Speicherdienst Megaupload:


24-jähriger Internetunternehmer in USA zu Haftstrafe verurteilt


WASHINGTON, 22. Januar (AFP) – Die Schließung des Online-Speicherdienstes Megaupload und die Festnahme seines deutschen Gründers Kim Schmitz hat am Wochenende für Aufruhr gesorgt. In Hongkong durchsuchten Zollbeamte am späten Freitag zahlreiche Büros verdächtiger Internetanbieter, während Hacker neben anderen Zielen die Internetseite der französischen Präsidentschaft angriffen. In den USA wurde der Mitbegründer einer illegalen Filmtauschbörse verurteilt.


Rund hundert Zöllner durchsuchten in der chinesischen Metropole Hongkong Büroräume, Privatwohnungen und Hotelzimmer und beschlagnahmten umgerechnet gut 32,5 Millionen Euro, wie die Behörden mitteilten. In Luxushotels seien zudem riesige und äußerst leistungsfähige Computer sowie Flachbildschirme gefunden worden. Es werde vermutet, dass die Anlagen mit dem Wirken von Megaupload in den USA in Verbindung stünden, hieß es.


Die US-Behörden hatten am Donnerstag das Internetportal Megaupload geschlossen und in Neuseeland den deutschen Internetunternehmer Schmitz sowie zwei weitere Deutsche und einen Niederländer verhaften lassen. Drei weitere Verdächtige, darunter ein weiterer Deutscher, sind flüchtig. Die sieben Angeklagten sollen im Netz Plattformen für Raubkopien betrieben haben, wodurch nach US-Angaben ein Schaden von mehr als einer halben Milliarde Dollar entstand.


Nach Angaben des US-Justizministeriums verurteilte ein Gericht bei Washington am Freitag einen 24-jährigen Internetunternehmer wegen des Betriebs einer illegalen Onlinetauschbörse für Filme zu 14 Monaten Haft und einer Geldstrafe von mehr als 172.000 Dollar (rund 133.000 Euro). Matthew Smith solle nach seiner Entlassung zudem zwei Jahre lang weiter überwacht werden, hieß es. Der Mitgründer der Plattform NinjaVideo hatte sich im September schuldig bekannt.


Als Reaktion auf die Ermittlungen der US-Fahnder wurde die Hackergruppe Anonymous aktiv. Am späten Freitag griff sie die Internetseite des französischen Präsidialamts an. Im Portal des Elysée-Palastes waren vorübergehend Sprüche zu lesen, etwa der Slogan “We Are Legion” (“Wir sind eine Heerschar”). Auch in Brasilien schlugen die Hacker zu und legten am Samstag zeitweise zahlreiche Internetseiten der Regierung des Bundesdistrikts um die Hauptstadt Brasília sowie einer bekannten Sängerin lahm.


Über den Kurznachrichtendienst Twitter verkündete Anonymous den Angriff auf rund hundert Seiten mit der Endung “df.gov.br”. Wie das Internetportal “G1 Globo” berichtete, bestätigten Sprecher des Bundesdistrikts den Angriff, der demnach jedoch wenig später erfolgreich abgewehrt werden konnte. Auf der Website der Sängerin Paula Fernandes erschienen indes Nachrichten der Hacker auf Englisch.


In den USA hatte Anonymous bereits die Internetseiten des FBI und des Justizministeriums sowie von Musikkonzernen und -verbänden lahmgelegt. Der US-Senat verschob eine für Dienstag geplante Abstimmung über umstrittene neue Internetgesetze auf unbestimmte Zeit. Aus Protest gegen diese Pläne hatte unter anderem das Onlinelexikon Wikipedia seine Seite vorübergehend abgeschaltet. In der Kritik stehen zwei Gesetzesvorhaben, die sich der Bekämpfung der Internetpiraterie widmen und vor allem von der Film- und Musikindustrie unterstützt werden.


tk/uvs

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