Bundesregierung rechnet mit 0,7 Prozent Wachstum in diesem Jahr
WASHINGTON/BERLIN, 18. Januar (AFP) – Die Weltbank hat ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem Jahr deutlich nach unten korrigiert. 2012 sei nur noch ein Plus von 2,5 Prozent zu erwarten, die Wirtschaft der Euro-Staaten werde sogar um 0,3 Prozent schrumpfen, teilte die Weltbank in Washington mit. Auch die Bundesregierung senkte ihre Konjunkturprognose am Mittwoch und rechnet 2012 nur noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozent.
Das weltweite Wachstum wird nach den Schätzungen der Weltbank in diesem Jahr 2,5 Prozent und im kommenden Jahr 3,1 Prozent betragen. Zuletzt hatte die Finanzinstitution mit 3,6 Prozent Wachstum in beiden Jahren gerechnet.
“Die Weltkonjunktur hat eine neue Phase der Unsicherheit erreicht”, sagte Chef-Ökonom Justin Lin Yifu in Peking. Als Gründe nannte er die Krise in den Euro-Staaten und das schwächere Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Euro-Zone in die Rezession rutsche, sei mittlerweile sehr hoch. Eine Finanzkrise, die über das Ausmaß der Krise von 2008 hinausgehe, sei nicht mehr auszuschließen.
China dürfte der Prognose der Weltbank zufolge auch in diesem Jahr der Konjunkturmotor bleiben. Der Volksrepublik wird ein Wachstum von immerhin 8,4 Prozent vorausgesagt – nach 9,1 Prozent im Jahr 2011. In den Entwicklungsländern wird die Wirtschaft demnach noch um 5,4 Prozent wachsen, in den Ländern mit hohen Einkommen dagegen nur um 1,4 Prozent.
In Deutschland wird die Wirtschaft laut dem neuen Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung 2012 nur noch um 0,7 Prozent wachsen. Bisher war die Bundesregierung von einem Prozent Wachstum ausgegangen – nach drei Prozent im vergangenen Jahr. Für 2013 rechnet Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) dann wieder mit einem Wachstum um 1,6 Prozent.
“Deutschland steht gut da”, sagte Rösler bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. “Unsere Wirtschaft ist robust, von Rezession kann überhaupt nicht die Rede sein.” In den Wintermonaten sei zwar eine “Wachstumsdelle” zu erwarten, danach werde sich die Konjunktur jedoch allmählich wieder beleben.
Trotz der Abkühlung der Konjunktur rechnet die Bundesregierung für 2012 mit einem neuen Beschäftigungsrekord. Die Zahl der Erwerbstätigen soll nach ihrer Prognose um 220.000 auf 41,3 Millionen Menschen zulegen. Die Arbeitslosenquote werde von 7,1 auf 6,8 Prozent sinken – der niedrigste Wert seit 20 Jahren.
Das Hauptrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung sei die Euro-Krise, sagte Rösler. Seine Zahlen beruhen denn auch auf der Annahme, dass die Lösung der Schuldenkrise weiter vorankommt und sich die Verunsicherung an den Märkten allmählich auflöst, wie es im Jahreswirtschaftsbericht heißt.
Für Wachstum wird 2012 laut Rösler fast ausschließlich die Binnenwirtschaft sorgen. Die verfügbaren Einkommen der Privathaushalte steigen seiner Prognose zufolge um drei Prozent. Abzüglich einer Inflation von 1,8 Prozent bleibe mit 1,2 Prozent ein “deutliches Plus an Kaufkraft” übrig.
Nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor’s wird Deutschland die Topnote für seine Kreditwürdigkeit auch in diesem Jahr halten können. Deutschland befinde sich “in einer vergleichsweise starken Position” und werde auch eine mögliche Rezession in diesem Jahr voraussichtlich ohne Herabstufung überstehen, sagte S&P-Europachef Moritz Krämer der “Bild”-Zeitung.
mid/bk

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen