Donnerstag, 26. Juli 2012

Draghi weckt Erwartung auf Eingreifen der EZB in Schuldenkrise

Draghi weckt Erwartung auf Eingreifen der EZB in Schuldenkrise:

Börsenkurse steigen und Spaniens Risikoaufschläge sinken
London, 26. Juli – Inmitten großer Sorgen über die Finanzlage Spaniens hat EZB-Präsident Mario Draghi Erwartungen auf ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank geweckt. “Die EZB ist bereit, alles Notwendige zum Erhalt des Euro zu tun”, sagte Draghi am Donnerstag in London. An Europas Börsen stiegen daraufhin die Aktienkurse, der Euro gewann an Wert und die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen sanken unter den Alarmwert von sieben Prozent.
Draghi kündigte auf einer Finanzkonferenz in London ein entschiedenes Eintreten der Europäischen Zentralbank für den Euro an. “Und glauben Sie mir, das wird ausreichend sein”, versicherte der Italiener und deutete an, dass die Frankfurter Währungshüter erneut auf dem Markt für Staatsanleihen eingreifen könnten. Es gehöre zum Mandat der EZB, die Risikoaufschläge für Staatsanleihen “unter Kontrolle zu halten”, sagte Draghi. Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici begrüßte die Aussagen des EZB-Chefs als “durchweg positiv”.
Um die Eurozone zu stabilisieren, haben die Frankfurter Euro-Banker bereits mehrfach Staatschulden schlingernder Euro-Länder wie Spanien aufgekauft, um deren Zinslast zu mindern. Zuletzt war die EZB im März auf diese Art aktiv geworden. Die Äußerungen Draghis dürften nun besonders in Madrid mit Erleichterung aufgenommen worden sein.
Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Staatsanleihen sanken nach den Äußerungen Draghis erstmals seit dem 19. Juli wieder unter den bedrohlichen Schwellenwert von sieben Prozent – nachdem sie noch am Mittwoch das höchste Niveau seit Gründung der Eurozone erreicht hatten. Ab einer Marke von sieben Prozent gilt die Zinslast als dauerhaft nicht tragbar.
Zwar hatte die Eurogruppe erst vor knapp einer Woche ein Hilfsprogramm in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken endgültig beschlossen. Seitdem war das als möglicher Kandidat für eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm geltende Land jedoch massiv unter Druck geraten.
In der Eurozone wird deshalb einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” zufolge erwogen, über den Euro-Rettungsfonds EFSF spanische Staatsanleihen aufzukaufen, um die Zinsen zu drücken. “Falls Madrid einen Antrag stellt, sind wir bereit zu handeln”, sagte ein EU-Diplomat dem Blatt.
An den europäischen Börsen stiegen die Aktienkurse nach den Äußerungen Draghis deutlich an, in Mailand und Madrid sogar um rund 4,5 und 4,9 Prozent. Besonders Bankaktien gewannen an Wert. Der deutsche Dax-Index verzeichnete rund zwei Stunden vor Handelsschluss ein Plus von rund 1,9 Prozent. Auch der Euro-Kurs stieg auf 1,2294 Dollar im Gegensatz zu 1,2153 Dollar am Vorabend.
AFP

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