von Autarkes Rattelsdorf
In meinen Recherchen über unsere Vergangenheit stellte ich mir schon öfter die Frage, wie es das frühe Christentum geschafft haben soll, sich so immens in der Welt auszudehnen. Was war das Geheimnis? Was steckt dahinter?
Wurde das Christentum etwa gar nicht von Judenchristen ins Leben gerufen und war es in Wahrheit nicht schon viel älter? Nun, der germanische Einschlag in das Christentum ist zweifellos vorhanden, doch wie genau wurde er Teil der christlichen Entwicklungsgeschichte?
Als ich die Geschichte des Kommunismus anfing zu studieren, erkannte ich schnell, wie man mit Hilfe einer falschen Illusion, die man dem Menschen vogaukelte, es schaffte unzählige Menschen für den sozialistischen Gedanken zu gewinnen. Ich erkannte, wie viel Macht in der Suggestion steckt, dass alle Güter Allgemeingut sein sollten, privates Eigentum abgeschafft werden sollte und man so einen Idealstaat errichten könnte. Freilich ist dieses Ideal nur ein Trug, besser ein Betrug, der ganz gezielt von Hintergrundmächten genutzt wurde. Als ich mich näher mit den Anfängen des Christentums beschäftigte, umso offensichtlicher wurde die Propaganda, die damals in Gang gebracht wurde, um den Menschen das Christentum näher zu bringen.
Ich erkannte, dass das frühe Christentum gar nicht ein "Reich im Himmel" anstrebte, sondern ein "Gottesreich im Hier und Jetzt". Genauso wie der Kommunismus gegen den Kapitalismus predigte, fand ich die gleiche Strategie im Frühchristentum wieder. Genauso wie die Menschen zu Zeiten des Kommunismus vom Kapitalismus enttäuscht und ausgebeutet wurden, so hatten die Völker zu Zeiten des Urchristentums mit dem Zinswucher zu kämpfen. Gegen diesen Zinswucher trat das frühe Christentum nun vehement an. So schreibt z.B. Basilius der Große:
"Zins nehmen, heißt nichts anderes, als aus dem Mißgeschick der Armen ein Vermögen sammeln, man wünschet dem Mitmenschen geradezu Not und Armut, um für sich daraus Gewinn zu ziehen." (Hom. in ps. 14(b) 1)
Gregor von Nazians formulierte das Zinsübel so: "Wer Zins nimmt, ist ein Ausbeuter der Not der Armen!" (Or. 16/18)
Freilich reichen diese Sätze, die auch viele andere Frühchristen ebenfalls schrieben, nicht aus, um dem Frühchristentum eine kommunistische Haltung zu unterstellen. Und sicher würde jeder anständige Mensch den Zinswucher bekämpfen. Doch stellen wir uns die Frage: Welche Lösung bietet das Frühchristentum den Menschen denn an? Ambrosius schafft es die Zinskritik mit dem kommunistischen Gedanken zu vereinen, in dem schreibt:
"Denn wie magst du Zins fordern von dem, mit dem du alles gemein haben sollst?" (de off. 1. 28. 132) Weiter führt er aus: "Die Natur hat das gemeinsame Anrecht aller geschaffen, erst die Ursupation des Einzelnen hat ein Privatrecht hervorgerufen. ... Nicht von deinem Eigentum schenkst du den Armen, sondern du gibst ihm von seinem Eigentum zurück - du schuldest ihm eine Beteilgung an deinem Recht". (de off. 1. 28. 132)
Sie als Leser erkennen hoffentlich den Gedanken des kommunistischen Idealstaates wieder, der hier bei Ambrosius zu finden ist. Dieser Gedanke war aber kein Einzelfall und ich möchte diese "Gottesstaatidee" des frühen Christentums noch ein paar weiteren Zitaten belegen, damit hier kein Zweifel aufkommt. Clemens von Alexandrien schreibt:
"Von Natur ist das Privateigentum ein Unrecht. ... Alles ist also gemeinsam und die Reichen sollen nicht mehr haben wollen als die Andern." (Päd. 2, 12)
Oder betrachten sie die Worte von Chrysostomus: "Man betrachte den Haushalt Gottes! Er hat gewisse Dinge zu einem Gemeingut gemacht, damit er das Menschengeschlecht damit beschäme, z.B. Luft, Sonne - (usw) - das verteilt er gleichmäßig wie unter Brüdern. - Also die Gütergemeinschaft ist mehr die entsprechende Form unseres Lebens als der Privatbesitz und sie ist naturgemäß. - Wir aber beobachten diesen Kommunismus nicht einmal in den kleinsten Dingen. Darum hat Gott uns jene notwendigen Dinge als Gemeingut gegeben, damit wir daran lernen sollen, auch die anderen Dinge in kommunistischer Weise zu besitzen." (12. Hom. u. d. 1. Brief an Thimotheus)
Das frühe Christentum predigte also kein fernes Gottesreich, in das man nach dem Tod kommen würde, sondern ein weltliches Reich, das nach kommunistischen Regeln verwaltet werden sollte! Besonders deutlich wird das, wenn wir bei Chrysostomus weiter lesen:
"Ich habe gesagt, alle möchten das ihre verkaufen und in eines zusammenwerfen und niemand verschlechtere sich, er sei reich oder arm. - Was nun fragst du, würden wir tun, nachdem wir diese Reichtümer verbraucht hätten? Du glaubst also, sie könnten jemals verbraucht werden? Als ob die Gnade Gottes nicht tausendfach fruchtbringender wäre! - Würden wir nicht die Erde in einen Himmel verwandeln: Wer würde noch Heide bleiben? Nach meiner Meinung keiner; - wenn wir auf diesem Wege vorwärts schreiten, hoffe ich bei Gott, dass sich die Zukunft so gestalten wird." (13. hom. z. Apostelgeschichte)
Nun begreifen wir auch, warum das Christentum anfangs verboten war! Hinter dieser Bewegung stand eine kommunistische Idee, die den weltlichen Königen, Cäsaren, Kaisern und Fürsten natürlich gefährlich werden konnte. Aber genauso wie der Bolschewismus die Massen in Russland aufhetzte, schaffte es auch das Christentum stark zu werden. Jetzt verstehen wir auch, warum Jesus in der Bibel von einem "Reich Gottes" redet, das auf Erden existieren soll und nicht erst in Himmel! Die späteren Priester liesen den kommunistischen Gedanken jedoch fallen, als sie mit den Herrschern des Römischen Reiches paktierten.
Mit falschen Versprechungen schaffte es das Frühchristentum seinen Platz in der Welt zu behaupten, genau wie der Kommunismus es schaffen sollte. Viele Zeitgenossen sahen in der christlichen Erhebung eine jüdische Bewegung, die begann sich die "heidnische" Welt Untertan zu machen. Neben dem Juden Paulus, war der Jude Philo von Alexandien ein wichtiger frühchristlicher Agitator. Dr. Hausrath schreibt in seiner "Neutestamentlichen Geschichte" über Philo:
"Nach einer Seite hin hat sich Philo keineswegs getäuscht. Er hat nur in der Sprache der griechischen Schulen gesagt, was Paulus gleichzeitig in den Synagogen verkündete. - Im Christentum wurde das alte Testament in der Tat die allgemeine Religion, nur dass dieses die rituellen Bestandteile nicht umdeutete, sondern wegwarf." ( Band 2, 182)
Doch was erwartete dieser frühchristliche Scholastiker vom Christentum? Welche Visionen hatte er von der Zukunft und was trieb ihn an? Lassen wir diese Fragen ihn selbst beantworten:
"Ich glaube, die Menschen werden ihre eigenen Gebräuche unterlassen, die väterlichen Sitten aufgeben, und nur diese Gesetze (die jüdischen) noch verehren. Denn bei glücklicher Lage des Volks (der Juden) werden auch die Gesetze heller ausstrahlen und die andern alle verdunkeln, wie die aufsteigende Sonne die Sterne. ... Einst wird aus euch (den Juden) ein Mann hervorgehen und über die Völker herrschen, fortschreiten wird seine Herrschaft von Tag zu Tag und sich hoch über alles erheben." (Vita Mosis 103-7)
Es bliebe noch die Frage zu klären, ob das Frühchristentum bereits eine Bewegung, resultierend aus den Verfälschungen der Lehren Jesu war, oder ob die Person Jesu überhaupt jemals existierte. Das Problem bei diesem sehr strittigen Thema ist, dass man die vier Evangelien schlecht als historische Werke ansehen kann, weil sie in sich einen psychologischen Defekt haben. Und dieser ist recht leicht zu erkennen, wenn man sich kurz in die Anfangszeit des Christentums versetzt.
Die Synoptiker (ersten drei Evangelisten) bringen genauso wie Johannes im vierten Evangelium fast keine historischen Daten über Jesus, obwohl sie doch bekannt sein müssten. Aber das eigentliche psychologische Dilemma besteht darin, dass alle vier Evangelien bereits vor dem Jahr 100 n. Chr. im Umlauf, wenn nicht sogar bereits als festes zusammenhängendes Werk existiert haben sollen. Freilich sehen gerade hierin viele Christen die Authentizität des Neuen Testaments, das Problem ist aber: Die Angaben über Jesus der Synoptiker und des Johannes widersprechen sich in vielen entscheidenden Punkten! Nehmen wir für die Entstehung des Neuen Testaments das Jahr 80 n. Chr. an, dann lebten aber noch genügend Menschen, die Jesus Christus entweder selbst gesehen oder von ihren Eltern die Ereignisse mitgeteilt bekamen. Und in dieser Zeit soll ein Johannesevangelium zum festen Kern einer Bibelüberlieferung werden, wo doch jeder Mensch die Fehler des Evangelisten sofort hätte erkennen müssen. Es ist genauso, wie wenn man in 40 Jahren eine Biografie über Helmut Kohl schreiben würde, die behauptet er wäre ein Schwarzafrikaner aus Ghana gewesen! Diesen psychologischen Unsinn zu erklären, dürfte sehr schwer werden. Aber ich möchte hier kein abschließendes Urteil über die Geschichtlichkeit von Jesus abgeben. Vieler seiner Gedanken, ob sie nun von ihm stammen oder nicht, können ohne Probleme Teile eines neuen europäisch-christlichen Weltverstandnisses werden, sobald der alttestamentarische Unfug als solcher erkannt und reformiert wird. Diese Veränderung zum Positiven kann aber nur aus der Kirchengemeinde selbst kommen. Jeden Tadel von Außen wird sie als Angriff auf sich selbst empfinden und die falschen Lehren noch weiter erhärten.

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