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Ärzte-Präsident warnt vor Stimmungsmache gegen Mediziner
Berlin, 22. Mai – Viele Ärzte kassieren laut einem Bericht Extra-Honorare dafür, Patienten an bestimmte Kliniken zu überweisen. Das berichtete das Internetportal der “Bild”-Zeitung am Dienstag unter Berufung auf eine repräsentative Studie der Universität Halle-Wittenberg. Danach zahlte fast jede vierte Klinik sogenannte Fangprämien für Patienten. Fast die Hälfte der nichtärztlichen Leistungserbringer wie Sanitätshäuser, Hörgeräte-Akustiker oder Orthopädie-Schuhmacher hätten zugegeben, schon einmal Vorteile wie Geld, Kostenübernahme von Tagungen oder Sachleistungen erhalten zu haben.
Für die Studie im Auftrag des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wurden über 1100 niedergelassene Fachärzte, stationäre Einrichtungen und nichtärztliche Leistungserbringer befragt. Die GKV will die Ergebnisse am Dienstag offiziell vorstellen.
Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sagte “Bild.de”, jeder einzelne Fall sei “völlig inakzeptabel”. “Fangprämien sind illegal.” Dabei gehe es nicht um das Wohl der Patienten, sondern ums Portemonnaie der Ärzte.
Die Bundesärztekammer bezweifelt hingegen die Zahlen. Ärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery warf den Autoren der Studie Stimmungsmache gegen Mediziner vor. Sollten die Zahlen stimmen, müsste es bei der Ärztekammer und den Staatsanwaltschaften viel mehr Anzeigen geben, sagte er im NDR. Die Diskussionen über Fangprämien seien “uralte Kamellen”. Zugleich rief er dazu auf, solche Vergehen anzuzeigen.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach bei “Bild.de” von Mafia-Verhältnissen, “die einen Riesen-Schaden verursachen”. Das Problem sei seit zwei Jahren bekannt und die Lage sei “deutlich schlimmer geworden”. Die SPD habe im Gesundheitsausschuss des Bundestages einen Antrag eingebracht, dass in Fällen von Fangprämien niedergelassene Ärzte strafrechtlich für den Tatbestand der Bestechlichkeit belangt werden könnten. “Nur dann wird sich endlich etwas ändern”, sagte Lauterbach.
AFP
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